WILDESHAUSEN Die Räume sind hergerichtet, die Kühltruhen teilweise schon gefüllt, und das “grüne Licht” des Kreis-Veterinäramts ist seit gestern Nachmittag erteilt: Die Wildeshauser “Tafel” geht im “Kasino” der ehemaligen Wittekind-Kaserne morgen von 13 bis 17 Uhr erstmals an den Start, um Bedürftige zu versorgen. Der Einsatzplan für die Mitarbeiter hängt schon an der Wand. (von Joachim Decker)
Bekleidet mit einem weißen Kittel machte Kreis-Veterinär Hergen Mehrtens gestern seine Runde durch alle Räume, um von der Ausgabe bis zum Tiefkühlraum jeden Winkel unter die Lupe zu nehmen: “Rechtlich ist das hier ein Einkaufsladen. Und als solcher muss er auch geführt werden.” Er müsse den ehrenamtlichen Mitarbeitern auch ein dickes Lob aussprechen: “Hier ist wirklich alles picobello hergerichtet.”
Mit Blick auf zig Dosen Chopsuey kam aber der erste wichtige Hinweis: “Diese Dosen sind lediglich mit einem Haltbarkeitsdatum versehen. Und genau das reicht nicht.” Die Kunden müssten wissen, was sich in welcher Zusammensetzung in den Dosen befinde. Leider sei es so, dass heute viele kaum noch richtig wüssten, wie sie mit Lebensmitteln umgehen müssten.
Eindringlich appellierte Mehrtens an die “Tafel”-Mitarbeiter, immer wieder auf das Haltbarkeitsdatum zu achten: “Allerdings ist es durchaus möglich und erlaubt, Ware auch nach Überschreiten dieses Datums noch auszugeben. Dann aber liegt die Verantwortung bei Ihnen.” Daher sei es wichtig, den Zustand zu überprüfen. Hierzu teilte Martina Zahl, Vorsitzende der “Tafel”, jedoch mit, dass es nicht vorgesehen sei, abgelaufene Waren auszugeben: “Dann sind wir nämlich auf der sicheren Seite.”
Anders sehe es nach Aussage des Veterinärs mit der Aufschrift “Zu verbrauchen bis:…” aus: “Dieses Datum darf auf keinen Fall überschritten werden. Diese Ware muss danach umgehend entsorgt werden.”
Und während sich einige Mitarbeiter gestern mit den letzten Arbeiten in der Ausgabestelle beschäftigten, waren andere unterwegs, um weitere Waren heranzuschaffen. Allen voran Wilhelm Schilling, der seit Wochen mit vollem Einsatz daran arbeitet, das Unternehmen “Tafel” zu einem Erfolg werden zu lassen: “Bei allen positiven Aspekten fehlt es uns immer noch an Geldspenden.” Ziel sei es nämlich, einen Tiefkühlanhänger zu kaufen, um problemlos gefrorene Ware transportieren zu können, ohne dass die Kühlkette abreiße.
Schilling weiß allerdings, dass es gerade in der heutigen Zeit sehr schwer ist, Geldspenden zu bekommen: “Aber wir hoffen, dass noch mehr Privatbürger und Unternehmer die Notwendigkeit der Tafel erkennen. Jeder Cent kann uns in der Tat auf unserem wichtigen Weg weiterhelfen.”
(Quelle: Wildeshauser Kreiszeitung, 18.03.2009)

