Archiv für den Monat Januar 2009

30. Jan 2009

Wollen keine Almosen anbieten

Wildeshauser Tafel beginnt im März mit wöchentlicher Lebensmittel-Ausgabe


Im Kasino der früheren Wittekind-Kaserne will die Wildeshauser Tafel ab Mitte März einmal wöchentlich Lebensmittel an Bedürftige ausgeben. Dabei soll der Grundsatz gelten, Mahlzeiten nur gegen eine Münze abzugeben. Von Frank Hethey

Wildeshausen. Für die Wildeshauser Tafel hat der Countdown begonnen: Ab Mitte März will der Verein einmal wöchentlich Lebensmittel an Bedürftige ausgeben. „Wir wollen jetzt durchstarten“, sagt der zweite Vorsitzende Thomas Trüper, auch bekannt als Leiter Hunteschule. Derzeit ist der Verein dabei, neue Mitglieder als freiwillige Helfer zu gewinnen. „Bisher haben sich zwölf Personen gemeldet, die zur aktiven Mitarbeit bereit sind“, berichtet Trüper. Auch der Ort des Geschehens steht schon fest: das Kasino der früheren Wittekind-Kaserne.

Wie in Delmenhorst, so soll auch in Wildeshausen der Grundsatz „Lebensmittel für eine Münze“ gelten. „Wir wollen keine Almosen anbieten“, begründet Trüper das Procedere. „Bei uns werden Lebensmittel zu einem sehr günstigen Preis verkauft.“
Obgleich Trüper voraussetzt, dass niemand Lebensmittel verlangen wird ohne in einer Notlage zu sein, muss die Bedürftigkeit dennoch nachgewiesen werden. Als gültigen Nachweis sieht Trüper einen offiziellen Bescheid der Sozialbehörden an: In Frage kommen zum Beispiel Wohngeld- oder Rentenbescheide. Ein regelrechter „Tafelpass“ wie andernorts ist bislang nicht im Gespräch.
Einige Zusagen für Lebensmittelspenden liegen den Tafel-Aktivisten bereits vor, unter anderem von zwei Bäckereibetrieben. „Eigentlich handelt es sich um eine Umverteilung nicht abgelaufener Lebensmittel“, umschreibt Trüper die praktische Arbeit der Tafel. Die Mitarbeiter sammeln die Lebensmittel ein und bringen sie in die Ausgabestelle auf dem früheren Kasernengelände. „Dort werden wir die Spenden dann sortieren und zusammenstellen.“

Die Wildeshauser Tafel ist Anfang vergangenen Jahres von neun Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen worden. Die mehr als einjährige Vorlaufzeit erklärt Trüper mit den langwierigen Genehmigungsverfahren als gemeinnütziger Verein.

Negative Erfahrungen mit Schulkindern haben Trüper für das Armutsproblem sensibilisiert. Ähnlich erging es seinen Mitstreitern, die sich unabhängig von einander an die Stadt Wildeshausen wandten. Durch die Vermittlung von Bürgermeister Dr. Kian Shahidi kamen die Interssenten zusammen – und legten so den Grundstein für die Vereinsgründung nachdem im Vorjahr ein erster Anlauf gescheitert war.

(Quelle: DK-Online, 30.01.2009)

24. Jan 2009

Es fehlen Regale und Kühltruhen

Die Räumlichkeiten in der ehemaligen Kaserne stellten gestern die Mitglieder der Tafel vor.Foto: Dejo

Die Räumlichkeiten in der ehemaligen Kaserne stellten gestern die Mitglieder der 'Tafel' vor.Foto: Dejo

WILDESHAUSEN Noch sieht es sehr leer aus im “Kasino” der ehemaligen Wittekind-Kaserne in Wildeshausen. Schon bald soll aber hier regelmäßig die Ausgabe von Lebensmitteln der Wildeshauser “Tafel” erfolgen. Mitglieder des Vereins haben gestern die Räume vorgestellt.(Von Joachim Decker)

Und es ist den Mitgliedern anzusehen, dass sie das Ziel bis Mitte März auch erreichen werden: “Es wird Zeit, dass wir eine solche Einrichtung in der Kreisstadt haben. Die Zahl der bedürftigen Menschen, die kaum wissen, wie sie satt werden sollen, ist sehr hoch”, ist sich der Vorstand um Vorsitzende Martina Zahl einig.

Jetzt hofft der Verein nicht nur auf weitere Mitglieder, sondern auch auf Unterstützung finanzieller und materieller Art. So werden dringend etwa 15 bis 20 Meter Regale (dreibödig) mit einer maximalen Höhe von 1,8 Metern und einer Tiefe von 70 Zentimetern benötigt. Zudem eine Tiefkühltruhe mit Deckel und auf Rollen, ein großer Sicht-Kühlschrank und abwaschbare Packtische. Derzeit befindet sich in den Räumlichkeiten lediglich der alte Tresen. “Wir gehen davon aus, dass sich Unternehmen melden, die uns diese Dinge zur Verfügung stellen können”, sagt Wilhelm Schilling. Und Thomas Trüper: “Ich hatte schon einen Anruf wegen einer Gefriertruhe. Allerdings hat es sich herausgestellt, dass dieses Gerät doch nur etwas für den Müll war.”

Der “Tafel” stehen im “Kasino” etwa 100 Quadratmeter für die Ausgabe zur Verfügung. Zudem ein Tiefkühlraum und zwei kleinere Kühlräume. “Allerdings müssen wir hier noch eine Grundreinigung durchführen oder durchführen lassen”, sind sich Martina Zahl und Schilling einig, der jetzt ein Wildeshauser Gebäudereinigungs-Unternehmen ansprechen will.

Bislang haben sich laut Vorstand schon zehn Bürger gemeldet, die sich bereit erklärt haben, ebenfalls mitzuarbeiten. “Ein Vertreter der Partei ,Die Linke’ hat mir den Tipp gegeben, dass ich einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen kann”, erzählt die Vorsitzende. Er habe mitgeteilt, dass von seinen Parteikollegen die Diätenerhöhungen gespendet würden. “Mit Glück können wir einen Teil bekommen.”

Mit im Boot ist auch die Vorsitzende des Wildeshauser Frauenvereins, Brigitte Ottilie Kaiser, die ab Montag die Wildeshauser Bäcker besuchen will, um Gespräche zu führen, inwieweit sie Backwaren für die “Tafel” zur Verfügung stellen können. “Wichtig ist, dass diese Lebensmittel verpackt sind. Wir dürfen außer Obst und Gemüse nichts Offenes anbieten”, weiß Schilling. Er selbst wolle in der kommenden Woche mit Thomas Trüper auf Tour gehen, um die produzierenden Betriebe zu besuchen: “Wir rechnen mit der Unterstützung zahlreicher Betriebe aus Wildeshausen und umzu.” Wichtig sei, dass die “Tafel” alle Grundnahrungsmittel anbiete, um die Bedürftigen hinreichend zu versorgen. Erstmals sollen die Türen Mitte März geöffnet werden.

(Quelle: Kreiszeitung, 24.01.2009)

21. Jan 2009

Tafel nimmt Arbeit im März auf

Wildeshauser Tafel nimmt Arbeit auf

Wildeshauser Tafel nimmt Arbeit auf

BÜRGERMEISTER SHAHIDI SPRACH VON EINEM „LEUCHTTURM-PROJEKT“. DIE STADT STELLT DAS ALTE CITY-MOBIL BEREIT.

VON STEFAN IDEL

WILDESHAUSEN - Nach dem Willen ihrer Gründer soll die Wildeshauser Tafel am 15. März ihre Arbeit für Bedürftige in der Region offiziell aufnehmen. „Wir benötigen die Unterstützung von vielen“, sagte Vorsitzende Martina Zahl, die am Dienstag gemeinsam mit weiteren Mitgliedern den Verein vorstellte. Es gehe darum, soziale Verantwortung wahrzunehmen, meinte Gründungsmitglied Wilhelm Schilling. Er wies darauf hin, dass in Niedersachsen jedes sechste Kind unterhalb der Armutsgrenze lebe.

Die Initiative zu der Tafel kam aus der Freien Christengemeinde sowie der Hunteschule, wie Schulleiter Thomas Trüper erklärte. Dort sei die unzureichende Versorgung mancher Kinder aufgefallen. Nach langer Vorbereitungsphase liege seit Dezember die offizielle Genehmigung des Berliner Bundesverbandes vor, berichtete Schilling. Mit den benachbarten Tafeln habe sich der Verein über die regionale Zuständigkeit verständigt. Man wolle sich demnächst bei allen Geschäften in Wildeshausen und umzu vorstellen und Lebensmittel erbitten. Bislang sei geregelt, dass die Wildeshauser Tafel Waren von den Discountern Lidl und „aktiv“ sowie von „Famila“ erhalte.

Die noch nicht abgelaufenen Lebensmittel werden im ehemaligen Casino der Wittekindkaserne an Bedürftige ausgegeben. Dazu sei ein Berechtigungsantrag erforderlich. Man werde aber niemanden abweisen: „Jeder, der sich in der Schlange anstellt, hat einen Grund, sich anzustellen“, sagte Martina Zahl.

Unternehmer Wolfgang Rixen stelle das frühere Casino für mindestens fünf Jahre zur Verfügung. Vier Wildeshauser Handwerksbetriebe helfen bei der Einrichtung. Benötigt würden aber noch stabile, neuwertige Regale und Kühltruhen auf Rollen.

Bürgermeister Dr. Kian Shahidi sprach von einem „Leuchtturm-Projekt“ für Wildeshausen. Allein die organisatorischen Vorarbeiten seien erheblich gewesen. Die Tafel erhält das alte städtische City-Mobil. Shahidi will bei den Haushaltsberatungen einen Vorschlag machen, damit die Tafel auch Fördermittel aus dem Stadtsäckel erhalte.

(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg, 21.01.2009)

17. Jan 2009

Wildeshauser rufen „Tafel“ ins Leben

UNTERSTÜTZUNG ERHÄLT DER VEREIN AUCH VOM FRAUENVEREIN. BEI DER HAUPTVERSAMMLUNG AM FREITAG MELDETEN SICH SPONTAN ZWEI HELFERINNEN.

VON STEFAN IDEL

WILDESHAUSEN - Nach dem Vorbild der Berliner Tafel soll in Wildeshausen eine so genannte Tafel für Bedürftige ins Leben gerufen werden. Die Initiative dazu kam aus der Hunteschule – Förderschule Lernen. Noch im vergangenen Jahr machten sich die Initiatoren daran, die notwendigen Schritte für eine Vereinsgründung zu beschreiten, wie Schulleiter Thomas Trüper am Freitag erklärte.

Bereits seit langer Zeit sei Pädagogen und sozial engagierten Wildeshausern aufgefallen, dass nicht alle Kinder in der Kreisstadt so versorgt würden, wie dies wünschenswert sei. Diverse Gruppen, darunter auch Vertreter des Wildeshauser Frauenvereins, hätten sich daher Gedanken über eine gemeinnützige Tafel gemacht. Ursprünglich sollte die Ausgabe gespendeter Lebensmittel bereits in der Weihnachtszeit starten. Doch der Zeitplan sei offenkundig zu ambitioniert gewesen, meinte Trüper. Nun will sich der Verein mit seiner Vorsitzenden Martina Zahl an der Spitze in der kommenden Woche vorstellen.

Unterstützung erhalte die Wildeshauser Tafel vom Unternehmer Wolfgang Rixen, dem Gründer der Privatschule Spascher Sand. Er stellt das einstige Casino der verlassenen Wittekindkaserne als Domizil zur Verfügung. Bei der Jahreshauptversammlung des Frauenverereins am Freitag meldeten sich spontan zwei Frauen, die mithelfen wollen, berichtete Vorsitzende Brigitte O. Kaiser.

„Die Stadt will den alten Kleinbus zur Verfügung stellen“, kündigte Trüper weiter an. Bürgermeister Dr. Kian Shahidi hatte bereits in seinem Grußwort zum Jahreswechsel die Wildeshauser aufgefordert, sich Gedanken zu machen, „wie wir den sozial bedürftigen Menschen helfen können, (…) die sich einfache Lebensmittel nicht mehr leisten können.“

Ziel der Tafeln in Deutschland ist es, dass alle qualitativ einwandfreien Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, an Bedürftige verteilt werden. Die Tafeln helfen so diesen Menschen eine schwierige Zeit zu überbrücken. Als älteste Tafel in Deutschland wurde 1993 die Berliner Tafel e.V. gegründet. Vor kurzen nahm in Ratingen (Nordrhein-Westfalen) die 800. Tafel ihre Arbeit für bedürftige Mitbürger auf. Im Landkreis gibt es unter anderem eine Tafel in Hude.

(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg, 17.01.2009)